Stadt Renningen

Seitenbereiche

Volltextsuche

  • Hintergrundbild der Stadt Renningen
  • Hintergrundbild der Stadt Renningen
  • Hintergrundbild der Stadt Renningen
  • Hintergrundbild der Stadt Renningen
  • Hintergrundbild der Stadt Renningen
Stadtinformation

Ein geschichtlicher Abriss...

Renningen und Malmsheim im Wandel der Jahrhunderte

Erste Siedlungsspuren

Von Südosten her kommend, durchfließt der Rankbach die Markung der Stadt Renningen vor allem in ost-westlicher Richtung. Das Tal weitet sich hier zum Renninger Becken, das sanft zum Rankbach hin abfällt. Seine dichte Besiedlung in vor- und Frühgeschichtlicher Zeit verdankt es vor allem den für Ackerbau günstigen Bodenverhältnissen.

Bereits die ersten bäuerlichen Siedler ließen sichin der frühen Jungsteinzeit (ca. 5500 v. Chr.) im Renninger Becken nieder. In der Folgezeit finden sich fast alle vor- und frühgeschichtlichen Epochen wieder. So sind auch zahlreiche Fundstellen aus keltischer Zeit (6. bis 1. Jahrhundert v. Chr.) bekannt. In den Wäldern im Norden und Osten der Markung haben sich Grabhügel erhalten, die wahrscheinlich in frühkeltischer Zeit errichtet worden sind. In römischer Zeit (1. bis 3. Jahrhundert v. Chr.) war das Renninger Becken außerordentlich dicht mit Gutshöfen überzogen.

Aus frühalamannischer Zeit (4. Jahrhundert) stammt eine Siedlung aus großen Höfen mit hölzernen Wohnstallhäusern, kleinen, eingetieften Handwerkerhütten und gestelzten Speichern in der "Raite" nordwestlich von Renningen. Ebenfalls in frühalamannische Zeit reicht eine große Siedlung in den "Neuwiesenäckern" zurück, die mindestens bis ins 12. Jahrhundert nur etwa 400 Meter westlich von Renningen lag. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um die Wüstung Altheim, die Anfang des 13. Jahrhunderts in den Schriftquellen genannt wird und bei der es sich um eine Vorgängersiedlung des heutigen Ortes handeln dürfte. Am Kirchplatz in Renningen lag ein Gräberfeld des 5. Jahrhunderts, doch sind Siedlungsspuren im Ort erst aus dem 8., verstärkt aus dem 11./12. Jahrhundert bekannt. Die Höfe des frühmittelalterlichen "Raandinga", von dem im "Liber Edelini", einem Codex des Klosters Weißenburg im Elsass, die Rede ist, lagen offenbar nicht alle im heutigen Ortsbereich um die Kirche, sondern reihten sich entlang des Rankbachs auf.


Das Kloster Weißenburg

Das Kloster Weißenburg besaß diesem Codex zufolge im Ort außer der Pfarrkirche einen Herrenhof un 22 1/2 Hofstellen, deren abhängige Bauern neben erheblichen Naturalien-Abgaben drei Tage Frontdienst pro Woche und zweimal im Jahr Fuhrdienste nach Weißenburg zu leisten hatten. Eine Sonderstellung hatte Renningen insofern inne, als der Ort Umschlagplatz für Naturalien der weiter südlich gelegenen Güter Weißenburgs war, besonders der aus Oberschwaben. Aus dieser besonderen Rolle, vielleicht aber auch durch die Lage an der alten fränkisch-alamannischen Stammesgrenze, erklärt sich die Verpflichtung der Renninger zur Stellung von Post- und Kriegspferden. Der um 1280 entstandene "Liber Edelini", so genannt nach seinem Verfasser, dem Abt Edelin, hält den umfangreichen Besitz des Klosters fest. Renningen ist darin gleich sechs Mal erwähnt., unter anderem in einer Verlust-Liste aus dem Jahr 991, der ersten schriftlichen Erwähnung Renningens. Anlass war im Jahr 985 die Inbesitznahme von Klostergütern Weißenburgs durch Herzog Otto den Roten von Worms, einen Vorfahren des salischen Königshauses. Wem der Ort nach Herzog Otto gehört hatte, ist nicht überliefert. Man wird, wie sonst in der Gegend, mindestens seit dem 11. Jahrhundert die Grafen von Calw, die Welfen oder oder die Pfalzgrafen von Tübingen als Besitzer und Grundherren vermuten dürfen. 1266 und 1272 wird ein Ortsadel erwähnt, der sich "von Renningen" nennt, aber keine Ortshoheit erlangen konnte. Bis 1307 gehörte der Ort den Grafen von Hohenberg (Sitz: Rottenburg am Neckar), die ihn an Reinhard von Neuenbürg im Tausch weitergaben. Dieser verkaufe den Ort 1310 an Graf Eberhard den Erlauchten von Württemberg. Renningen war fortan württembergisch, wenn man von einer kurzen Verpfändung an die Marktgrafen von Baden Ende des 14. Jahrhunderts absieht, und es gehörte zum Amtsbezirk Leonberg.

Malmsheim nachweislich besiedelt

Auch Malmsheim war nachweislich schon im Früh- und Hochmittelalter besiedelt, wie archäologische Funde - neben Siedlungsresten auch Funde aus einem Gräberfeld des 6./7. Jahrhunderts am Sparnsberg - belegen. Der Ort wird erstmals in einer Urkunde Kaiser Heinrichs IV. für das Kloster Hirsau von 1075 erwähnt, und zwar ist darin der Adlige Diemo von "Malbodesheim" einer von 17 Zeugen der Güterschenkung  an das Kloster. Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts ist von weiteren drei Malmsheimer Adligen die Rede, die außer in Malmsheim auch in Hausen an der Würm Besitz hatten. Gegen Ende des des 12. Jahrhunderts gehörte Malmsheim den Staufern, als diese auf dem Höhepunkt ihrer Macht waren. Als Nachfolger gelten die Grafen von Calw und die mit diesen verwandten Grafen von Vaihingen, deren Dienstmannen die Herren von Malmsheim waren. Dieses ab 1250 erwähnte Rittergeschlecht übte unter der Lehenshoheit der Grafen von Calw und von Vaihingen die Ortsherrschaft aus und hatte erheblichen auswärtigen Besitz, zum Beispiel in Münklingen. Das Wappen der Herren von Malmsheim mit den vier Eisenhüten im Schrägbalken wurde übrigens 1935 das Wappen der Gemeinde Malmsheim.

Allmählich wurden die Herren von Malmsheim von der Familie der Maiser abgelöst, einem weit verzweigten Adelsgeschlecht, das noch mehr auswärtige Besitzungen und Herrschaftsrechte als seine Vorgänger hatte. Sie besaßen im Ort eine obere und eine untere Burg, von denen die obere noch bis ins 17. Jahrhundert Bestand hatte. Bedeutendster Vertreter der Familie ist der Hirsauer Abt Wolfram Maiser (1428-1460), der letzte große Reformer des Klosters. Verschiedene Linien der Maiser hatten die Ortsherrschaft inne, als Lehen der Grafen von Calw und von Vaihingen, später der Grafen von Württemberg. Diese kauften 1479 auch den letzten verbliebenen Anteil auf und waren fortan alleinige Ortsherren. Malmsheim gehörte nun zum Amtsbezirk Böblingen.

Kunstgeschichtliche Spuren

Das ausgehende Spätmittelalter hinterließ auch in der dem heiligen Germanus geweihten Malmsheimer Kirche bedeutende kunstgeschichtliche Spuren, wie die Malereien vor allem im Chor (Hostienmühle, vier Kirchenväter) und der spätgotischen Taufstein zeigen. Das Kirchenschiff wurde, laut Inschrift am früheren Südportal, 1489 erweitert. Ebenso wie die Germanuskirche ist die Renninger Petruskirche eine Chorturmkirche mit einem frühgotischen Kreuzrippengewölbe. Sie war bis ins 19. Jahrhundert hinein burgähnlich mit Mauern und Graben befestigt. Die Reformation wurde in beiden Orten 1535 eingeführt.

Über Jahrhunderte hinweg war die haupsächliche Lebensgrundlage der Einwohner die Landwirtschaft, genauer der Ackerbau. Der Weinbau spielte eine untergeordnete Rolle. Die Bandbreite an Handwerkern war in Malmsheim etwas geringer als in Renningen, wo es zum Beispiel auch einen Metzger und einen Glaser gab. Für überörtlichen Bedarf produzierende Gewerbe gab es wenig, wenn man von den Webern oder den Malmsheimer Hafnern absieht. Bis zum Dreißigjährigen Krieg nahm die Bevölkerung stark zu, im Vergleich mit den anderen Gemeinden gehörten die Einwohner von Malmsheim und Renningen zu den wohlhabenderen. In Renningen gab es einige reiche Bauern, aber auch mehr arme Leute als in Malmsheim. Der wachsende Wohlstand schlug sich auch im Ortsbild nieder: 

1590 wurde das Renninger Rathaus gebaut

1590 wurde das Renninger Rathaus neben der Kirche gebaut. Auf dem Bogen über der Eingangstür befindet sich außer der Jahreszahl die erste Darstellung des Renninger Wappens mit den gekreuzten Schlüssel des Petrus. Das daneben liegende seitherige Rathaus wurde fortan als Schule genutzt. Das ehemalige Pfarrhaus an der Weil der Städter Straße stammt aus dem Jahr 1576. Weitere ortsbildprägende Gebäude entstanden vor allem in der Hauptstraße, zum Beispiel die "Kaserne", ein lang gestreckter Fachwerkbau. 1976 brannte der Bau ab. Um 1600 wurde Renningen von einer steinernen Mauer umgeben; die Kirchen in Renningen (1601) und Malmsheim (1607) mussten erweitert werden.

Der Dreißigjährige Krieg

Der Dreißigjährige Krieg setzte dieser Blütezeit ein jähes Ende. 1634, nach der Schlacht von Nördlingen, erlitten beide Orte starke Plünderungen und Zerstörungen. Die nachfolgende Pest raffte große Teile der Bevölkerung hinweg. Von den herben Verlusten hatten sich die Orte erst im 18. Jahrhundert wieder erholt: Gegen Ende des Jahrhunderts war die Bevölkerung stark im Wachsen begriffen, 1797 hatte Renningen 1207, Malmsheim 712 Einwohner. Der dringend notwendige Schulhausneubau konnte in Renningen 1803 erfolgen (heute Erweiterungsbau des Rathauses).

Missernten der Jahre 1816/17 trieben viele Renninger und Malmsheimer zum Auswandern nach Nordamerika

Die Missernten der Jahre 1816/17 und 1846/47 hatten Hungerjahre und Armut zur Folge. Viele Renninger und Malmsheimer wanderten vor allem nach Nordamerika aus. Die allmähliche Ablösung der aus dem Mittelalter überkommenen Feudallasten (zum Beispiel großer und kleiner Zehnt, Jagdfronten, Fuhrfronten) konnte die Landwirtschaft zwar endlich entlasten, trotzdem bot sie aber nur noch einem Teil der ständig wachsenden Bevölkerung ein Auskommen. Wachsende Bedeutung gewann so die Weberei. Leine- und Korettweber gab es nach 1800 in großer Zahl, und 1833 zählte man in Renningen gar 52 Webmeister. Andere Bürger verdienten ihr Brot als Steinhauer in den Brüchen des Längenbühls, aus dessen Stein auch viele Stuttgarter Bürgerhäuser erbaut sind.

Der Ihinger Hof

1851 wurde der südlich von Renningen gelegene Ihinger Hof formalrechtlich Teilgemeinde von Renningen. Die erste Erwähnung aus dem 12. Jahhundert geht auf eine Urkunde des Klosters Hirsau zurück. Die Kirche St. Lorenz auf dem Hofgut Ihingen wurde 1462 der Pfarrei Weil der Stadt inkorporiert. 1649 verkaufte Weil der Stadt Ihingen um 5500 Gulden an Heinich Achilles Bouwinghausen von Wallmerode auf Zavellstein. Bin in das 20. Jahrhundert hinein gehörte das Gut verschiedenen Adelsfamilien.

Verheerend wirkte sich der Großbrand im Ortskern Renningens im Jahr 1855 aus. 22 Wohnhäuser, 24 Scheunen und 20 Nebengebäude wurden im Bereich Kronenstraße/Leonberger Straße ein Raub der Flammen. Den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung brachte der Bau der Schwarzwaldbahn von Stuttgart nach Weil der Stadt im Jahr 1869 zunächst nicht. Die Industrieansiedlung ließ auf sich warten, auch die Zahl der Pendler nach Stuttgart oder seinen Vororten blieb gering. Immerhin konnte der Anbau von Hopfen ab der Jahrhundertmitte in beiden Orten die Lage in der Landwirtschaft verbessern. Ansonsten blieben Handwerker und Kleingewerbe dominierend.

Nach der Jahhundertwende verbesserte sich die Situation: In Renningen gab es zwei Zuckerwarenfabriken sowie zwei Strickereien, und die Zahl der auspendelden Industriearbeiter stieg stetig. Die Infrastruktur wurde deutlich verbessert: Ab 1905 versorgte das neue Gaswerk bei der Wörnetstraße Renningen mit Gas, 1907 gründeten Renningen und Malmsheim einen Wasserversorgungsverband und errichteten Wasserleitungsanschlüsse, 1908 wurde in beiden Orten die Elektrizität eingeführt. Durch den Bau der Eisenbahnlinie Renningen-Böblingen im Jahr 1915 konnten Arbeiter nun auch in den Raum Böblingen/Sindelfingen pendeln.

Der Erste Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg bedeutete für beide Gemeinden einen tiefen Einschnitt. Viele Gefallene waren zu beklagen, das wirtschaftliche Leben kam nur langsam wieder in Gang. Die Inflation und die Weltwirtschaftskrise in den Zwanziger- und zu Beginn der Dreißigerjahre brachten neue Rückschläge. Die Gemeinden reagierten auf die hohe Arbeitslosigkeit mit der Vergabe von Notstandsarbeiten. Die Linksparteien waren dank der zahlreicher werdenden Arbeiter stark vertreten, doch 1932 war die NSDAP stärkste politische Kraft. Bald nach der nationalsozialistischen "Machtergreifung" wurden alle linksgerichteten Parteien und Vereine aufgelöst und ein Teil ihrer Mitglieder in Schutzhaft genommen. Der Gemeinderat wurde gleichgeschaltet und besaß in der Folge nur noch beratende Funktion.

Zum Bau des Militärflugplatzes Malmsheim mussten beide Gemeinden 1936 erhebliche Flächen veräußern. 1938 wurde in Renningen beim Bahnhof auf dem Gelände der nicht mehr benötigten Stuttgarter Latrinengrube das Freibad errichtet.

Der Zweite Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg brachte durch verstärkte Luftangriffe gegen Kriegsende weniger Zerstörungen, jedoch zahlreiche Gefallene und Vermisste. Der Einmarsch der Franzosen am 20. April 1945 bedeutete das Ende des Krieges, bei Kämpfen gab es dabei in Malmsheim 18 Todesopfer. Das auf dem Militärflugplatz Malmsheim vorhandene Barackenlager wurde 1946 zu einem Auffanglager für heimkehrende Kriegsgefangene und Heimatvertriebene ausgebaut.

Das "Wirtschaftswunder"

Bald nach der Währungsreform setzte das "Wirtschaftswunder" ein, und neue Siedlungen und Arbeitsülätze konnten geschaffen werden. In Renningen wurde Zug um Zug das Gebiet zwischen Bahnhof und Ortskern überbaut. 1954 stand den Katholiken die neue St. Bonifatius-Kirche zur Verfüfung. 1960 wurde die neue Friedrich-Schiller-Schule eröffent. Nördlich des Bahnhofs entstand das Industriegebiet mit leistungsfähigen Betrieben. In Malmsheim wurden neue Wohngebiete vor allem südlich und westlich des Ortskerns errichtet. Die Friedrich-Silcher-Schule wurde hier 1955, die katholische St. Martinus-Kirche 1963 eingeweiht. Industriegebiete siedelten sich wenige an.

Zusammenschluss Malmsheim mit Renningen

Zum 1. März 1972 erfolgte der freiwillige Zusammenschluss Malmsheims mit Renningen durch einen Eingliederungsvertrag. Die neugebildete Gemeinde Renningen gehört seit der Auflösung des Kreises Leonberg 1973 zum Kreis Böblingen. Die folgenden Jahre beschleunigten den Wandel hin zu einem moderen, leistungsfähigen Gemeinwesen mit gut ausgebauter Infrastrukur. Diese Bemühungen wurden 1982 mit der Erhebung zur Stadt gewürdigt. Der Bau weiterführender Schulen kam nach der Realschule von 1977 und mit dem Gymnasium 1983 zum Abschluss.

Weitere Meilensteine der Stadtentwicklung waren unter anderem die Neugestaltung der Ortskerne, der Bau der Nord-Süd- und der Nordrandstraße zwischen Renningen und Malmsheim. Beide Ortsteile wachsen zurzeit durch neue Baugebiete sichtbar zusammen. Die Stadt Renningen ist heute ein attraktives Kleinzentrum mit hoher Lebensqualität.

 

 

 

Weitere Informationen